Franz Müntefering
Auch Franz Müntefering (SPD) hat das Zitat häufiger bemüht. Mittlerweile gönnt er sich auch ohne Arbeit seine Mahlzeit - schließlich ist er in Rente. Foto: Stephan Röhl

Arbeiten – Essen – Briefeschreiben

Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen!

Das halten viele Zeitgenossen für ein selbstverständliches Motto und verweisen gern darauf, dass es ja auch so schon der Bibel steht. Wo genau, das wissen die meisten allerdings nicht. Die Antwort lautet: Im so genannten Zweiten Thessalonicherbrief (dort Kap. 2, Vers 10), der sich wiederum im Neuen Testament befindet und für gewöhnlich dem Apostel Paulus zugeschrieben wird. Was noch weniger Menschen wissen: Er stammt gar nicht wirklich von ihm, sondern wurde erst Jahrzehnte nach dem Tod des Apostels von einer ganz anderen, heute unbekannten Person geschrieben.

Der Hauptgrund für seine Abfassung lag darin, dass der echte Apostel im Ersten Thessalonicherbrief die Behauptung aufstellte, dass das Ende der Welt kurz bevorstehe. Als die Welt aber lange nach Paulus‘ Tod immer noch weiter existierte, wurde das einigen seiner Anhänger ziemlich peinlich. Sie verfassten daraufhin eine neue Version, die eigentlich an die Stelle des Originals treten sollte. Das hat zwar nicht geklappt, aber immerhin hat sie als Zweiter Thessalonicherbrief Eingang in die Bibel gefunden. Und dort befindet sie sich bis heute und wird gern so ausgelegt, als könne man Arbeitslose ruhig verhungern zu lassen. Wahrscheinlich war bloß gemeint, dass Apostel sich selbst versorgen und nicht von der Großzügigkeit ihrer Anhänger leben sollen. Vom historischen Paulus ist ferner nicht bekannt, dass er jemals gefordert hätte, Menschen die Nahrung zu entziehen.

Zum Nachlesen:
Gerd Lüdemann: Die gröbste Fälschung des Neuen Testaments. Der zweite Thessalonicherbrief. Verlag: zu Klampen Verlag 2010

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