Die Medienbranche erstickt den Journalismus Pixabay

Journalismus? Prekär.

Anfang März wurden erste Ergebnisse der Studie „Prekarisierung im Journalismus“ von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) veröffentlicht. Insgesamt 1000 haupt- und nebenberufliche Journalist*innen wurden im Rahmen dieser Studie zu ihrer wirtschaftlichen Lage befragte. Der 25-seitige Überblick über die Studie kann hier heruntergeladen werden.

Insbesondere freie Journalist*innen werden von den Verlagen so schlecht bezahlt, dass ihr Lebensunterhalt dadurch nicht gesichert ist; der Verdienst der Solo-Selbständigen Mitarbeiter beträgt für einen Großteil von ihnen lediglich zwischen 600 und 1200 Euro brutto. Und nur 17 Prozent von ihnen sind gegen Arbeitslosigkeit versichert. Und das in einer Zeit, in welcher Qualitätsjournalismus, der auf guter Recherche beruht, so dringend nötig ist. Dazu trägt dann der Trend, der weg von der Tageszeitung und hin zum Online-Medium führt, durchaus seinen Teil bei. Ohnehin nur 24% der Befragten haben eine Festanstallung – und die sind dann zumeist bei traditionellen Printmedien aktiv.

Vollzeitverträge sind am häufigsten bei Tageszeitungen zu finden, während bei eigenständigen Online-Medien der Großteil der Journalist*innen freiberuflich tätig ist. Und dann zumeist auch nicht für eines, sondern gleich für mehrere Projekte:

Vollzeitverträge sind am häufigsten bei Tageszeitungen zu finden, während bei eigenständigen Online-Medien der Großteil der Journalist*innen freiberuflich tätig ist. […]
Der Großteil der freiberuflichen Journalist*innen (75,5%) arbeitet für mehr als drei Arbeitgeber, 14,5% für zwei und 10% für einen Arbeitgeber.

Prof. Dr. Thomas Hanitzsch und Jana Rick: Prekarisierung im Journalismus, S. 5/6

Fast wie selbstverständlich findet sich in der Studie auch die gängige geschlechtsspezifische Segregation des Arbeitsmarktes wieder. Frauen sind eher prekär beschäftigt (S. 5) und verdienen durchchnittlich 645€ netto monatlich weniger als die Kollegen (S. 7). In der Selbstwahrnehmung scheint diese Erkenntnis allerdings nur sehr begrenzt anzukommen. Denn die stärkere Betroffenheit von Frauen durch die Prekarisierung der Branchen scheint den Männern deutlich weniger aufzufallen als den Frauen (S. 17). Da ist es dann kaum ein Wunder, dass der eine oder andere von ihnen zwischendurch anfängt, vom Ende der patriarchalen Arbeitsteilung zu schwafeln (hier affirmativ, hier kritisch).

Der Trend zur Prekarisierung bringt nun seinerseits (wenig verwunderlich) einen Trend zum Teilzeit-Journalismus mit sich. Immer mehr Journalist*innen, so lässt sich der Studie entnehmen, sind zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes darauf angewiesen, einer weiteren Tätigkeit jenseits des Journalismus nachzugehen (wobei Forschung und Lehre hier der absolute Trend ist). Dass die Verhältnisse in diesen Bereichen zumeist nicht weniger prekär sind, hat die eine oder die andere Studie bereits in der Vergangenheit festgestellt. Lediglich die Hälfte der hauptberuflich Angestellten hat angegeben, mit den Einkünften aus der journalistischen Tätigkeit über die Runden zu kommen, für größere Anschaffungen reicht es im Durchschnitt nur bei einem Drittel.

Die Selbsteinschätzung der Befragten ist ernüchternd und zugleich realistisch. Zwar würden nur 43% ihre eigene Arbeitssituation als prekär einstufen, so empfinden sie doch immerhin fast 58% als „eher unsicher“. Als Unsicherheitsfaktoren stechen dabei insbesondere das niedrige Einkommen an sich als auch die Unsicherheit über seine Auszahlung hervor (S. 15). Ebenfalls 58% der Befragten betonen, dass ihrer Auffassung nach „prekäre Verhältnisse die Qualität des Journalismus bedrohen. (S. 17)“.

Ein Gutes hat das Ganze immerhin: die Kolleg*innen in den Redaktionen sind derart überlastet, dass für einen großen Aufschrei ob dieser Entwicklungen gar keine Zeit bleibt. Die Leitungen der großen Mediengruppen und die Freund*innen der Fake-News wird’s freuen.

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